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Vom Ursprung der Speise Aschure erzählt eine Legende. Als Noahs Arche nach der Großen Sintflut landete, hatten die Überlebenden das Bedürfnis, ein Fest zu feiern. Die Vorräte waren zwar erschöpft, aber man suchte die Arche nach jedem Bissen Nahrung ab, den man finden konnte. Dann mischte man alles zusammen und feierte tatsächlich ein prächtiges Fest, das Aschure-Fest. Unter sehr schwierigen Bedingungen gelang es damals, eine sehr wohlschmeckende Speise anzurichten.
Die wichtigste Eigentümlichkeit der Aschure liegt darin, dass Nahrungsmittel, die nichts miteinander zu tun haben, zusammengemischt werden: Gartenbohnen, Kichererbsen, Saubohnen, Weizen, Korinthen, Aprikosen, Feigen, Orangenschalen, Haselnüsse, Walnüsse, Pinienkerne, Esskastanien, Rosinen, Rosenwasser, Reis, Milch und Zucker. Garniert wird das alles dann noch mit Granatäpfelstückchen. All diese Zutaten werden miteinander kombiniert, und vereinigen sich zu einem außerordentlichen Wohlgeschmack, dem drittbesten der Welt, wie behauptet wird. Das Besondere dabei ist, dass sich jede Zutat der Aschure ihren eigenen Geschmack bewahrt, dass dieser aber nicht übermächtig wird und andere Geschmackskomponenten überlagert. Man schmeckt jedes einzelne Aroma heraus, und doch entsteht ein neuer, ganz eigentümlicher Geschmack, der Aschure-Geschmack. Am wichtigsten ist die Zubereitung. Die Zutaten werden unterschiedlich lange gekocht, zunächst getrennt voneinander. Einige Zutaten werden eingelegt, andere werden so hinzugefügt, wie sie sind. Wird die Aschure nicht von einem erfahrenen Koch zubereitet, droht sich ihr eigentümlicher Geschmack zu verflüchtigen, und Bohnen und Kircherbsen bleiben auf der Zunge kleben. Die Aschure ist dann keine Aschure mehr.
Europa hat sich die Vielfalt zum Prinzip erkoren. Unsere Welt macht heute eine schwierige Phase durch. Wir Menschen sind mit gigantischen Problemen konfrontiert, die ebenso groß sind, wie die Wellen, die die Arche des Propheten Noah vor sich her trugen, hoch waren. Terror, Korruption, die ungerechte Verteilung des Reichtums, Unwissenheit und Faulheit richten die Menschheit zu Grunde.
Eine Aschure ist entweder gut oder schlecht zubereitet. Ein Zwischending gibt es nicht. Das Heilmittel für unsere Probleme in der Gegenwart ist die Demokratie. Die Gesellschaften sollten zur rechten Zeit unter dem einigenden Dach der Demokratie zusammenfinden. Dabei sollte sich jeder seine Identität bewahren, niemand sollte sich über andere stellen, und wir sollten lernen zu teilen. Wir tun gut daran, unser Menschsein zu preisen - indem wir sind, was wir sind. Auch die Demokratie kennt nur ein Entweder-Oder. Eine halbe Demokratie, eine Demokratie der Ausbeutung oder eine Demokratie der Todeszellen, kann es nicht geben.
Aus diesem Grunde ist die Aschure ein gutes Beispiel.
Hüseyin Gülerce, Zaman
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